Frühbehandlung bei frontalem Engstand – ein Patientenfall ohne feste Zahnspange
18. September 2026Eine rechtzeitige kieferorthopädische Frühbehandlung kann eine Therapie mit möglichst geringen Kräften ermöglichen. Werden Fehlstellungen und ihre funktionellen Ursachen frühzeitig erkannt, lässt sich das vorhandene Wachstum gezielt nutzen.
Der folgende Patientenfall zeigt, wie ein deutlicher frontaler Engstand durch die gemeinsame Therapie von Form und Funktion erfolgreich ohne feste Zahnspange behandelt werden konnte.
Ausgangssituation: Deutlicher Engstand im Alter von acht Jahren
Der Patient stellte sich im Alter von acht Jahren mit einem deutlichen frontalen Engstand vor.
Durch die Therapie von Form und Funktion konnten neben der Zahn- und Kieferstellung auch die Ursachen der Fehlstellung im Rahmen einer begleitenden myofunktionellen Therapie mitbehandelt werden.
Intraorale Bilder der Anfangsdiagnostik

Platz für die bleibenden Zähne schaffen
Ziel der Frühbehandlung war es, rechtzeitig im Rahmen des Wachstums genügend Platz für den Durchbruch der bleibenden Zähne zu schaffen.
Dazu erfolgte eine transversale Erweiterung des Oberkiefers mit einer herausnehmbaren semirapiden Gaumennahtapparatur, der Bioplate.
Ergänzend trug der Patient einen konfektionierten Trainer (EFT Pro, Hersteller Orthoplus) für eine Stunde am Tag sowie während der Nacht. Dieser wurde zur Ausformung des Unterkiefers und zur Herstellung physiologischer Ruheweichteilbeziehungen eingesetzt.
Durch die Kombination dieser Maßnahmen konnte rechtzeitig im Rahmen des Wachstums ausreichend Platz für den Durchbruch der bleibenden Zähne geschaffen werden.
Trainer als Bestandteil der Frühbehandlung
Durch die hohe Patientencompliance und das konsequente Tragen des Trainers konnte zusätzlich der Biss erfolgreich gehoben werden.
Trainer können damit im Rahmen der myofunktionell-kieferorthopädischen Frühbehandlung unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Entscheidend ist jedoch die Auswahl eines für die individuelle Ausgangssituation geeigneten Trainers.
Neben der Ausformung des Zahnbogens können sie die Etablierung physiologischer Ruheweichteilbeziehungen unterstützen und – wie im vorliegenden Patientenfall – zur Bisshebung beitragen.
Begleitung des weiteren Zahnwechsels
Nach Abschluss der aktiven Frühbehandlung wurde der weitere Zahnwechsel in halbjährlichen Kontrollterminen begleitet.
Nach zwei Jahren waren alle Milchzähne gewechselt und es lag eine Klasse-I-Verzahnung vor. Lediglich leichte Rotationen konnten durch die Behandlung nicht vollständig derotiert werden.
Intraorale Bilder der Enddiagnostik

Frühzeitig behandeln und vorhandenes Wachstum nutzen
Betrachtet man das Ausmaß des frontalen Engstandes zu Beginn der Therapie, zeigt der Patientenfall, welches Potenzial eine präventive und frühzeitige Behandlung haben kann.
Durch einfache Behandlungsmittel, die Beseitigung funktioneller Ursachen und den Einsatz geringer Kräfte konnte das vorhandene Wachstum genutzt und ausreichend Platz für die bleibenden Zähne geschaffen werden.
Eine spätere aufwendige Therapie mit einer festen Zahnspange war in diesem Patientenfall nicht erforderlich.

Fazit: Form und Funktion gemeinsam behandeln
Der Patientenfall verdeutlicht, warum bei einer kieferorthopädischen Frühbehandlung nicht ausschließlich die Zahnstellung betrachtet werden sollte. Die gemeinsame Therapie von Form und Funktion ermöglicht es, neben bestehenden Fehlstellungen auch funktionelle Ursachen zu berücksichtigen.
Wird der richtige Behandlungszeitpunkt genutzt und die Therapie konsequent durchgeführt, können in geeigneten Fällen bereits einfache herausnehmbare Apparaturen und myofunktionelle Maßnahmen ausreichen, um die weitere Entwicklung positiv zu beeinflussen.
Frühbehandlung bedeutet dabei vor allem, vorhandenes Wachstum rechtzeitig zu nutzen und mit möglichst geringen Kräften eine physiologische Entwicklung zu unterstützen.
Quelle: Dr. Andrea Freudenberg, Expertin für mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie