Gaumennaht

Klinischer Fall: Gaumennahterweiterung bei transversaler Enge und unterminierender Resorption

15. Juni 2026

Eine physiologische transversale Entwicklung des Oberkiefers ist entscheidend für eine stabile Zahnstellung, eine gesunde Kieferentwicklung und ausreichend Platz für die bleibenden Zähne. Wird das Oberkieferwachstum durch funktionelle Faktoren – beispielsweise eine tiefe Zungenruhelage – beeinträchtigt, kann sich der Oberkiefer zu schmal entwickeln.

Abhängig vom Schweregrad stehen unterschiedliche kieferorthopädische Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Neben Dehnplatten kommt bei ausgeprägteren Befunden häufig eine Gaumennahterweiterung (GNE) zum Einsatz.

Der folgende Patientenfall zeigt, wie eine transversale Erweiterung nicht nur Platz schaffen, sondern gleichzeitig komplexe dentale Herausforderungen lösen kann.

Ausgangssituation: Transversale Enge und unterminierende Resorption

Bei dem vorgestellten Patienten lag neben einer ausgeprägten transversalen Enge des Oberkiefers zusätzlich eine unterminierende Resorption der Oberkiefer-Milchfünfer vor.

Darüber hinaus zeigte das Röntgenbild eine sehr enge Keimanlage im Seitenzahnbereich. Ohne rechtzeitige Intervention bestand die Gefahr eines vorzeitigen Milchzahnverlustes sowie weiterer Platzprobleme während des Zahnwechsels.

In dieser Situation bot die Verwendung einer Gaumennahterweiterung mit Distalisierungsarmen eine sinnvolle Möglichkeit, die notwendige transversale Erweiterung durchzuführen und gleichzeitig die dentale Situation gezielt zu berücksichtigen.

Die Therapie: Transversale Erweiterung und Platzgewinn

Im Rahmen der Behandlung wurde ausreichend transversaler Platz für alle Zähne geschaffen.

Durch die Erweiterung des Oberkiefers konnte die vorhandene Enge beseitigt und die Grundlage für die weitere kieferorthopädische Behandlung geschaffen werden.

Anschließend erfolgte eine Alignertherapie, mit der die Rotationen einzelner Zähne gezielt korrigiert werden konnten.

Zusätzlich wurde mithilfe eines Trainers, der über die Aligner getragen wurde, eine orthognathe Einstellung der Kiefer unterstützt.

Gaumennaht

Vermeidung eines vorzeitigen Milchzahnverlustes

Ein weiterer Vorteil des gewählten Therapiekonzepts bestand in der Distalisierung der oberen ersten Molaren.

Dadurch konnte ein vorzeitiger Verlust der Milchzähne verhindert werden. Gleichzeitig ließ sich eine später häufig notwendige und deutlich aufwendigere Distalisierung der Sechsjahrmolaren vermeiden.

Die Behandlung ermöglichte somit nicht nur die Erweiterung des Oberkiefers, sondern auch eine vorausschauende Steuerung der weiteren Gebissentwicklung.

Warum die myofunktionelle Therapie entscheidend ist

Neben der mechanischen Erweiterung wurde ein myofunktionelles Training durchgeführt, ergänzt durch das nächtliche Tragen von Trainern.

Ziel war die Anbahnung einer physiologischen Zungenruhelage am Gaumen. Diese spielt sowohl für den weiteren Wachstumsverlauf als auch für die langfristige Stabilisierung der gewonnenen transversalen Breite eine entscheidende Rolle.

Eine korrekte Zungenruhelage unterstützt die erreichte Oberkieferbreite auf natürliche Weise und kann dazu beitragen, einem späteren Rezidiv entgegenzuwirken.

Mechanische Erweiterung und Funktion gehören zusammen

Der Patientenfall verdeutlicht, dass eine erfolgreiche transversale Nachentwicklung häufig aus zwei Komponenten besteht:

der mechanischen Erweiterung des Oberkiefers durch kieferorthopädische Apparaturen
der funktionellen Stabilisierung durch myofunktionelle Therapie

Während die GNE die notwendige Breite schafft, sorgt die Zunge als natürlicher „Wachstumsmotor“ dafür, dass das erreichte Ergebnis langfristig erhalten bleibt.

Fazit

Die Gaumennahterweiterung stellt eine effektive Möglichkeit dar, einen zu schmal entwickelten Oberkiefer zu erweitern und Platz für die bleibenden Zähne zu schaffen.

Der vorgestellte Patientenfall zeigt jedoch auch, dass die mechanische Korrektur allein häufig nicht ausreicht. Für eine langfristige Stabilität ist die funktionelle Begleittherapie von zentraler Bedeutung.

Die Kombination aus transversaler Erweiterung, Alignertherapie und myofunktionellem Training ermöglicht es, sowohl strukturelle als auch funktionelle Ursachen zu berücksichtigen und nachhaltige Behandlungsergebnisse zu erzielen.

 

Quelle: Dr. Andrea Freudenberg, Expertin für mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie