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Musikinstrument und Zahnspange – geht das zusammen?

23. Juli 2021

Trompeter, Flötisten, Violinisten, aber auch Sänger haben ganz besondere Anforderungen, wenn es um eine gesunde Zahn- und Kieferstellung geht. Aber beeinträchtigt eine Zahnspange bei ihnen nicht die Ausübung des Musikerberufs? Nicht unbedingt. Eine individuell angepasste kieferorthopädische Behandlung kann auch ihren speziellen Bedürfnissen gerecht werden. Aber auch wenn ein Instrument nur aus Spaß am Musizieren mit der Familie oder für die Schülerband erlernt wird, das Musizieren beginnt mit einem langen Lern- und Übungsprozess während der Schulzeit in der Musikschule, zu Hause oder im Orchester. In dieser Zeit ist meist auch das Thema Zahnspange aktuell. 

Musizieren ist ein tolles Hobby: Es macht Spaß, baut Stress ab, fördert Kreativität, Emotionen und Intelligenz. Die Musik zum Beruf zu machen, ist deshalb für viele eine traumhafte Vorstellung. Doch Musiker haben nicht nur einen schönen, sondern auch einen fordernden und stressigen Beruf. Stundenlanges Üben, einseitige Körperhaltungen, hohe Lautstärken und weitere extreme Belastungen führen häufig zu Musikerkrankheiten. Eine Studie kommt sogar zu dem Schluss, dass 80 Prozent aller professionellen Instrumentalmusiker zumindest zeitweise von berufsbedingten Krankheiten betroffen sind, die auch die Berufsausübung beeinträchtigen.

Der richtige Ansatz ist wichtig

Wer ein Instrument mit Leidenschaft spielt, bildet mit diesem eine harmonische Einheit. Um beispielweise ein Blasinstrument spielen zu können, sind komplexe neuromuskuläre Abläufe gefragt. Es muss ein sogenannter Ansatz gebildet werden, bei dem Lippen, Zunge und Zähne an das Mundstück angelegt werden. Dieser Ansatz steuert in Verbindung mit dem Gaumen und den Atemmuskeln dann die Erzeugung des gewünschten Tons. Die Ansatztechnik ist für jedes Holzblasinstrument oder Blechblasinstrument unterschiedlich. Eine Zahnspange kann daher Auswirkungen auf den Ansatz und die Intonation haben.

Bei manchen Bläsern ist die Zahn- und Gesichtsanatomie so beschaffen, dass sie die Bildung eines solchen Ansatzes begünstigt oder erleichtert. Andere wiederum bringen von Natur aus keine idealen Voraussetzungen für die Bildung eines korrekten Ansatzes mit – z. B. einen offenen Biss im Frontzahnbereich. Die Folge sind ausgleichende Bewegungen des Unterkiefers oder auch der Kopf- und Nackenmuskulatur, welche über die Zeit dann zu Störungen im Mund-Gesichtsbereich oder in der Körperhaltung führen können. Kurzum: Orofaziale – also Mund und Gesicht betreffende – Probleme können Musiker beeinträchtigen. Egal, ob sie nun ein Blasinstrument (z. B. Klarinette oder Posaune) oder ein Streichinstrument (z. B. Geige oder Bratsche) spielen oder gar Sänger sind.

Check-up beim Kieferorthopäden für Musiker wichtig 

Orofaziale Probleme bzw. Funktionsstörungen im Mund-Gesichtsbereich können bei Musikern verschiedene Ursachen haben. Wie bereits erwähnt, sind sie entweder naturgegeben oder können durch das Musizieren entstehen, etwa durch das Spielen eines Blas- oder Streichinstruments. Liegt bereits eine Fehlstellung von Zähnen und Kiefern vor, kann diese durch das Musizieren unter Umständen noch verschlimmert werden. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: beispielsweise die Position von Zähnen und Kiefern oder die Spielzeit. 

Ein tägliches Üben von 90 Minuten oder weniger, wie es oft von Amateurmusikern praktiziert wird, ruft in der Regel keine deutlichen Veränderungen an Zähnen oder Skelett hervor. Bei Berufsmusikern jedoch, die ihr Blasinstrument mehr als drei Stunden pro Tag spielen, kann das ganz anders aussehen. Auch die Art des Mundstücks oder die Kräfte, die Zunge und Gesichtsmuskeln während des Spielens ausüben, können zu einem Ungleichgewicht von Zahn- und Skelettstrukturen beitragen.

Trompete: Sound für die Ohren, Druck für die Zähne | Quelle: pnw production, pexels

Übrigens kann sich das Spielen eines Instruments unter Umständen auch positiv auf Mund und Gesicht auswirken! Beispielsweise kann sie die Korrektur vorliegender Fehlstellungen – etwa der Frontzähne – unterstützen. Egal ob jung oder alt, Amateur- oder Berufsmusiker: In jedem Fall sollte man einen Zahnarzt oder Fachzahnarzt für Kieferorthopädie zur Abklärung und Überwachung etwaiger Fehlentwicklungen und Störungen im Mund-Gesichtsbereich hinzuziehen.

Zahnwechsel sollte zum Erlernen von Blasinstrumenten möglichst abgeschlossen sein

Vor allem für das Spielen von Blasinstrumenten ist es unerlässlich, dass die Zähne des Oberkiefers mit denen des Unterkiefers normgerecht ineinander beißen. Man spricht auch von einer gesunden Okklusion. Wenn Zähne und Kiefer gesund sind und die Mund- und Gesichtsmuskulatur normal funktioniert, kann nahezu jedes Blasinstrument ohne Risiken für das Gebiss erlernt werden. Vorausgesetzt, der Zahnwechsel ist erfolgt. Dies ist etwa im Alter von ca. zwölf Jahren der Fall.

Eignung des Gebisses prüfen lassen

Nicht selten besteht jedoch der Wunsch, dass ein Blasinstrument bereits in jüngeren Jahren erlernt wird, also bevor die Entwicklung der Wurzeln der bleibenden Zähne sowie der dazugehörigen Knochenbasis abgeschlossen ist. In diesem Fall ist es noch wichtiger, bereits im Vorfeld einen Kieferorthopäden aufzusuchen. Dieser prüft dann den Entwicklungsstand des Gebisses und die Eignung für das Wunschinstrument. Sollte die Entscheidung noch nicht gefallen sein, kann er auch bei der Instrumentenwahl beraten.

Kieferorthopädische Behandlung kann Ansatz von Bläsern beeinflussen

Wenn ein Blasinstrument bereits erlernt oder professionell gespielt wird und eine kieferorthopädische Behandlung nötig wird, ist das insbesondere für Musikstudenten oder Berufsmusiker eine Herausforderung. So kann der mühsam antrainierte Ansatz durch die Stellungsänderungen von Zähnen und Kiefern vorübergehend gestört werden. Übergangsweise können zudem die musikalische Reichweite oder Mundstückausdauer beeinträchtigt sein.

Mitbringen des Mundstücks in jedem Fall sinnvoll

Blasinstrumentalisten, die sich einer kieferorthopädischen Behandlung unterziehen, brauchen daher besondere Aufmerksamkeit. In jedem Fall sollte man den behandelnden Kieferorthopäden vor Beginn der Therapie immer informieren, dass man ein Blasinstrument spielt und am besten gleich das Mundstück mitbringen. So kann der Arzt im Vorfeld erkennen, inwieweit das Instrument die erforderlichen Zahnbewegungen begünstigt oder erschwert, und den Behandlungsplan entsprechend anpassen. 

Lippenkraft, Zungenlage: Alles für den guten Ton | Quelle: mart production, pexels

Festsitzende oder herausnehmbare Zahnspange?

Selbstverständlich können Blasinstrumente auch mit einer festen Zahnspange gespielt werden. Es bedarf hierbei vor allem in der Anfangsphase der Behandlung einer gewissen Übung, Geduld oder des ein oder anderen Tricks. So können störende Stellen der Apparatur beispielsweise mit Wachs abgedeckt werden. Zum Schutz der Lippen können auch spezielle Schienen aus Kunststoff über den Brackets zum Einsatz kommen. 

Eine Besonderheit stellt der Zeitpunkt des Bogenwechsels bei einer festen Zahnspange dar. Die Bogenstärke wird im Verlauf permanent erhöht, um die gewünschte Zahnposition zu erreichen. Mit dem Kieferorthopäden sollte individuell besprochen werden, ob der geplante Bogenwechsel mit Konzertterminen oder Prüfungsterminen kollidiert. Nach dem Bogenwechsel können die Zähne vorübergehend empfindlich sein, was zu Problemen beim Ansatz bei Holzblasinstrumenten oder Blechblasinstrumenten führen kann. Je nach Instrument kann auch das Einsaugen der Lippe und Weichgewebe an den Brackets unangenehm sein. Hat sich der Patient nach einer oft nur einige Tage oder Wochen dauernden Umstellungsphase an die Apparatur gewöhnt, stellt das Spielen des Instruments mit festsitzender Zahnspange meist kein Problem mehr dar. 

Zahnspange hinter den Zähnen

Lingualtechnik: Brackets von innen | Quelle: intern

Eventuell kann auch eine zungenseitige Positionierung der Brackets von Vorteil sein (Lingualtechnik). Wenn die Brackets auf die Innenseite der Zähne geklebt werden, kommt zu weniger Irritationen der Weichgewebe und der Ansatz bleibt unbeeinträchtigt.

Herausnehmbare Zahnschienen als Alternative 

Eine Alternative zu festen Zahnspangen sind herausnehmbare Zahnschienen zur Korrektur der Zahn- und Kieferfehlstellungen, die für jede Altersgruppe angewendet werden können. Auch während des Zahnwechsels ist eine Zahnkorrektur mit sogenannten Alignern möglich. Durch die modernen digitalen Scanverfahren (Intraoralscanner) können die Veränderungen im Wechselgebiss schnell erfasst und die Schienen angepasst werden. Aligner sind für Teenager und Erwachsene generell eine geeignete Alternative zur festen Zahnspange. 

Da die Aligner für eine optimale Wirkungsweise ganztags getragen werden sollten, können sie auch beim Üben im Mund behalten werden. Bei einer Aligner-Behandlung kommen zur Optimierung der Zahnbewegung Attachments zum Einsatz: auf den Zahn aufgeklebte biomechanische Haltepunkte. Ob auf den Frontzähnen platzierte Attachments einen Einfluss auf den Ansatz bei Blasinstrumenten haben, muss mit dem Kieferorthopäden oder Zahnarzt vorab besprochen werden. Auch hier sollte die Ansatztechnik nach einer Eingewöhnungsphase nicht mehr beeinträchtigt sein. 

Einseitige Kopfhaltung beim Geigespielen I Quelle: pexels
Korrekte Haltung beim Musizieren ist wichtig I Quelle: pexels

Oft ist bei Musikern auch das interdisziplinäre Teamwork sinnvoll: Bei Bedarf sollte sich der Kieferorthopäde z. B. mit dem Logopäden abstimmen. Und auch das aktive Miteinbeziehen des Musiklehrers kann von Vorteil sein – damit Sie weder bei der (Zahn-)Gesundheit noch bei Ihrer musikalischen Karriere Abstriche machen müssen. Gerade bei Instrumenten, die den Körper sehr einseitig belasten, sind Ausgleichsübungen wichtig. Um Asymmetrien vorzubeugen kann eine begleitende physiotherapeutische oder osteopathische Behandlung durchaus sinnvoll sein.

 

Quellen:

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  • Das Gesundheitsportal medondo.health