Oberkieferwachstum und Zungenruhelage – warum die Zunge als „Zungenmotor“ eine zentrale Rolle spielt
26. Mai 2026Die Zungenruhelage ist von zentraler Bedeutung – sowohl für die Ruheschwebelage als auch für die Stabilität der Oberkieferbreite und Oberkieferlänge. Eine physiologische Zungenruhelage kann das Wachstum des Oberkiefers auf natürliche Weise unterstützen und spielt damit eine wichtige Rolle für die funktionelle Entwicklung des gesamten stomatognathen Systems.
Die Anpassungsfähigkeit des Oberkiefers
Der Oberkiefer besitzt insbesondere im Kindesalter eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit. Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Gaumennaht (Sutura palatina mediana), welche die beiden Knochenhälften des Oberkiefers miteinander verbindet.
Durch den sanften, kontinuierlichen Druck der Zunge am Gaumen wird diese Naht stimuliert. Dadurch werden die beiden Hälften des Oberkiefers in der Transversalen auseinandergeführt, was die physiologische Breitenentwicklung des Oberkiefers unterstützt.
Die Zunge übernimmt damit eine wichtige funktionelle Aufgabe für das Wachstum des Oberkiefers.
Die Zunge als „Zungenmotor“
Liegt die Zunge physiologisch am Gaumen an, kann sie ihre Funktion als sogenannter „Zungenmotor“ erfüllen und das Breitenwachstum des Oberkiefers stimulieren beziehungsweise stabilisieren.
Voraussetzung hierfür ist jedoch ein kompetenter Lippenschluss in Kombination mit einer physiologischen Nasenatmung.
Nur unter diesen Bedingungen kann die Zunge dauerhaft ihre natürliche Ruhelage am Gaumen einnehmen und so positiv auf die transversale Entwicklung des Oberkiefers einwirken.

Folgen einer fehlenden Zungenruhelage
Liegt die Zunge hingegen nicht am Gaumen an, bleibt dieser positive Einfluss auf die transversale Entwicklung des Oberkiefers aus.
Der Oberkiefer entwickelt sich dadurch häufig zu schmal. Funktionelle Fehlmuster wie Mundatmung oder ein inkompetenter Lippenschluss können diese Entwicklung zusätzlich verstärken.
Ein zu schmal entwickelter Oberkiefer kann wiederum Auswirkungen auf die Zahnstellung, die Nasenatmung sowie die funktionelle Balance des Kiefer- und Gesichtssystems haben.
Zungenruhelage und Kiefergelenkentlastung
Wie bereits im Zusammenhang mit der Ruheschwebelage beschrieben, spielt die physiologische Zungenruhelage auch eine wichtige Rolle für die Entlastung der Kiefergelenke.
Eine stabile Zungenposition unterstützt:
- die transversale Stabilität des Oberkiefers
- die neuromuskuläre Balance
- die physiologische Nasenatmung
- die funktionelle Entlastung der Kiefergelenke
Damit ist die Zungenruhelage nicht nur für das Wachstum relevant, sondern auch für die langfristige funktionelle Stabilität des Systems.
Fehlfunktionen frühzeitig erkennen
Bei Vorliegen funktioneller Fehlmuster ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Dazu zählen unter anderem:
- Mundatmung
- inkompetenter Lippenschluss
- fehlende Zungenruhelage
- falsche Schluckmuster
Eine frühzeitige funktionelle Therapie kann dazu beitragen, Fehlentwicklungen vorzubeugen, das Wachstum positiv zu beeinflussen und die Kiefergelenke nachhaltig zu entlasten.
Fazit
Die physiologische Zungenruhelage hat einen entscheidenden Einfluss auf das Wachstum und die Stabilität des Oberkiefers.
Durch den kontinuierlichen Druck der Zunge am Gaumen kann die transversale Entwicklung des Oberkiefers unterstützt werden. Voraussetzung hierfür sind ein kompetenter Lippenschluss und eine stabile Nasenatmung.
Fehlfunktionen sollten möglichst früh erkannt und behandelt werden, um eine gesunde Entwicklung des Kiefersystems langfristig zu fördern.
Quelle: Dr. Andrea Freudenberg, Expertin für mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie