Obstruktive Schlafapnoe (OSA) – Ursachen, Zusammenhänge und Therapieansätze bei Kindern und Erwachsenen
03. März 2026Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist ein Krankheitsbild, bei dem es im Schlaf wiederholt zu einer teilweisen oder vollständigen Blockade der oberen Atemwege kommt.
Infolgedessen setzt die Atmung zeitweise aus oder wird stark reduziert. Dies kann den Sauerstoffgehalt im Blut senken und zu kurzen Weckreaktionen führen, wodurch der Schlaf gestört und die nächtliche Erholung beeinträchtigt wird.
Die Obstruktive Schlafapnoe betrifft nicht nur Erwachsene, sondern wird zunehmend auch bei Kindern diagnostiziert. Unbehandelt kann sie erhebliche Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit der betroffenen Kinder haben.
Symptome der OSA bei Kindern und Erwachsenen erkennen
Die Beschwerden können je nach Alter variieren. Häufige Symptome sind:
- Lautstarkes Schnarchen
- Unruhiger Schlaf
- Häufiges Erwachen in der Nacht
- Tagesmüdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Stimmungsschwankungen, Hyperaktivität)
- Nasenverstopfung
- Mundatmung
Gerade bei Kindern stehen nicht selten Verhaltensauffälligkeiten und Konzentrationsprobleme im Vordergrund.
Ursachen der obstruktiven Schlafapnoe – welche Rolle spielen Kiefer und Atemwege?
Die Entstehung einer OSA ist multifaktoriell. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Vergrößerte Mandeln oder Adenoide
- Habituelle Mundatmung tagsüber
- Allergien oder Asthma
- Kieferfehlstellungen
- Ein zu schmaler Oberkiefer
- Unterkieferrücklage
- Übergewicht
- Muskel- oder Weichgewebserschlaffung
- Bestimmte Medikamente
- Rauchen
Strukturelle Besonderheiten im Kiefer- und Gesichtsbereich können die oberen Atemwege zusätzlich verengen und so das Risiko für Atemwegsobstruktionen erhöhen.
Mundatmung und Schlafapnoe – ein verstärkender Mechanismus
Die Mundatmung tritt im Rahmen der OSA häufig als Kompensationsmechanismus auf – insbesondere dann, wenn die Nasenatmung behindert ist. Gleichzeitig kann sie die OSA jedoch verschärfen.
Ein geöffneter Mund destabilisiert den Rachenraum, wodurch die oberen Atemwege leichter kollabieren. Zudem fällt die Zunge nach hinten und verengt den Rachen zusätzlich. Gleichzeitig entfällt die natürliche Filter-, Erwärmungs- und Befeuchtungsfunktion der Nase, was zu Reizungen der Schleimhäute führen kann.
Mundatmung gilt daher sowohl als Symptom als auch als verstärkender Faktor der OSA – insbesondere im Kindesalter.
Bedeutung der frühzeitigen Diagnostik im Kindesalter
Im Kindesalter sind eine frühzeitige Diagnostik und gezielte therapeutische Maßnahmen von zentraler Bedeutung. Ziel ist es, chronische Mundatmung zu vermeiden und die Nasenatmung zu fördern.
Kieferorthopädisch müssen strukturelle Gegebenheiten wie ein zu schmaler Oberkiefer oder eine Unterkieferrücklage möglichst frühzeitig diagnostiziert und korrigiert werden. Eine gezielte Wachstumslenkung kann das Kieferwachstum in eine physiologische Richtung führen und die Atemwegsverhältnisse verbessern. Myofunktionelles Training stabilisiert zusätzlich Zunge, Lippen und periorale Muskulatur und unterstützt die Etablierung einer physiologischen Zungenruhelage am Gaumen.
Ebenso ist eine HNO-ärztliche Abklärung möglicher zusätzlicher Atemwegsverengungen, wie vergrößerter Adenoide oder Polypen, sinnvoll.
Therapieoptionen im Erwachsenenalter
Im Erwachsenenalter ist eine Beeinflussung des Kieferwachstums nicht mehr möglich. Dennoch spielt die Etablierung der Nasenatmung eine zentrale Rolle, da sie einen kompetenten Lippenschluss fördert und so ein Zurückfallen des Unterkiefers reduzieren kann. Myofunktionelle Therapie kann hierbei unterstützend eingesetzt werden. Bei ausgeprägten Fällen mit engem Oberkiefer oder signifikanter Unterkieferrücklage können operative Maßnahmen, wie chirurgische Oberkieferverbreiterungen und/oder eine Unterkiefer-Vorverlagerung, als invasive Therapieoptionen in Erwägung gezogen werden. Alternativ kann zunächst eine CPAP-Maske eingesetzt werden, die die Atemwege während des Schlafs offenhält. Zusätzlich kommen Unterkieferprotrusionsschienen (UPS) zum Einsatz, die den Unterkiefer über Nacht aktiv in einer ventralen Position halten. Beide Ansätze wirken jedoch symptomatisch, da sie die OSA zwar lindern, aber nicht die zugrunde liegenden Ursachen behandeln.
Ein interdisziplinäres Vorgehen zwischen Kieferorthopädie, Logopädie und HNO gewährleistet dabei den bestmöglichen Therapieerfolg.
OSA und Mundatmung
Die Mundatmung tritt im Rahmen der OSA häufig als Kompensationsmechanismus auf, insbesondere wenn die Nasenatmung behindert ist. Sie kann die OSA jedoch verschärfen. Ein geöffneter Mund destabilisiert den Rachenraum, wodurch die oberen Atemwege leichter kollabieren. Gleichzeitig fällt die Zunge nach hinten und verengt den Rachen zusätzlich. Zudem entfällt die natürliche Filter-, Erwärmungs- und Befeuchtungsfunktion der Nase, was zu Reizungen der Schleimhäute führen kann.
Deshalb gilt Mundatmung sowohl als Symptom als auch als verstärkender Faktor der OSA, besonders bei Kindern. Die Förderung der Nasenatmung sowie die Stabilisierung der orofazialen Muskulatur, beispielsweise durch myofunktionelles Training, kann daher helfen, die Atemwege zu entlasten und die Schlafqualität zu verbessern.
Myofunktionelle Therapie (MFT) bei OSA – wissenschaftliche Evidenz
The dental and craniofacial characteristics among children with obstructive sleep apnoea: a systematic review and meta-analysis Eine aktuelle systematische Übersicht aus Wuhan (EJO, 2025) untersucht den Zusammenhang zwischen kindlicher obstruktiver Schlafapnoe (OSA) und dentofazialen Merkmalen. Die Analyse von 14 Studien zeigt, dass Kinder mit OSA tendenziell verengte Oberkiefer, größere Overjets, mandibuläre Defizite, kurzen harten Gaumen und verstärktes vertikales Wachstum aufweisen. Daher sollte insbesondere im Kindesalter eine frühzeitige Diagnostik erfolgen, um frühzeitig positiv auf das Kieferwachstum Einfluss zu nehmen.
Myofunctional Therapy to Treat Obstructive Sleep Apnea: A Systematic Review and Meta-analysis
Myofunktionelle Therapie (MFT) hat sich als vielversprechender adjunctiver Ansatz bei der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe (OSA) erwiesen. Sie umfasst gezielte Übungen von Zunge, Lippen, weichem Gaumen und oropharyngealen Strukturen, die die Stabilität der oberen Atemwege verbessern und die Nasenatmung fördern.
Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zeigte, dass MFT bei Erwachsenen den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) im Mittel um etwa 50 % senkt, die minimale Sauerstoffsättigung verbessert, Schnarchen reduziert und die Tagesschläfrigkeit deutlich abnimmt. Bei Kindern konnte eine AHI-Reduktion von rund 62 % erzielt werden. In einer Langzeitbeobachtung über vier Jahre blieben Kinder, die MFT fortführten, OSA-frei, während unbehandelte Kinder Rückfälle zeigten. Insgesamt deutet die aktuelle Evidenz darauf hin, dass MFT eine effektive ergänzende Therapie zu konventionellen Behandlungsansätzen darstellt, die sowohl polysomnographische Parameter als auch subjektive Schlafqualität und Tagesbefinden signifikant verbessern kann.
Fazit
Die obstruktive Schlafapnoe ist ein komplexes Krankheitsbild mit funktionellen und strukturellen Einflussfaktoren. Mundatmung spielt dabei sowohl als Symptom als auch als verstärkender Mechanismus eine zentrale Rolle. Eine frühzeitige Diagnostik – insbesondere im Kindesalter – ermöglicht es, positiv auf das Kieferwachstum Einfluss zu nehmen und die Atemwegsverhältnisse nachhaltig zu verbessern. Auch im Erwachsenenalter können funktionelle Therapien unterstützend wirken. Eine ganzheitliche, interdisziplinäre Betrachtung ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.
Quelle: Dr. Andrea Freudnberg, Expertin für mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie