Offener Biss nach kieferorthopädischer Behandlung – warum Funktion für eine stabile Retention entscheidend ist
13. Juli 2026Ein frontal offener Biss gehört zu den Zahnfehlstellungen, bei denen es vergleichsweise häufig zu einem Rezidiv kommen kann. Selbst nach einer erfolgreichen kieferorthopädischen Behandlung kann sich der Biss erneut öffnen, wenn funktionelle Ursachen bestehen bleiben.
Der folgende Patientenfall zeigt eindrucksvoll, warum neben der Korrektur der Zahnstellung auch die Behandlung myofunktioneller Fehlfunktionen entscheidend für langfristig stabile Ergebnisse ist.
Warum kommt es zu einem Rezidiv?
Im Rahmen der Therapie frontal offener Bisse kommt es häufig zu Rezidiven. Diese entstehen insbesondere dann, wenn myofunktionelle Fehlfunktionen nicht begleitend behoben werden konnten.
Eine Einlagerung der Zunge oder der Lippen kann ein solches Rezidiv selbst bei einem intakten Retainer hervorrufen.
Der vorgestellte Patientenfall zeigt genau diese Situation: Die Patientin war nach einer erfolgreichen kieferorthopädischen Behandlung sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer mit festsitzenden Retainern versorgt worden. Trotz der intakten Retainer öffnete sich der Biss erneut – verursacht durch eine Zungendysfunktion und einen fehlenden Lippenschluss.

Die Rezidivbehandlung
Im Rahmen der Rezidivbehandlung konnte der frontal offene Biss mithilfe einer Alignertherapie erneut geschlossen werden.
Begleitend wurde die Patientin myofunktionell behandelt. Ziel war es, die zugrunde liegende funktionelle Ursache des Rezidivs dauerhaft zu beheben.
Die myofunktionelle Therapie wurde zusätzlich durch einen individuellen Trainer mit Zungenrampe unterstützt. Dadurch sollte die physiologische Zungenruhelage am Gaumen von Beginn an automatisiert werden.
Ziel der Behandlung war:
- die physiologische Zungenruhelage am Gaumen
- ein kompetenter Lippenschluss
- die langfristige Stabilisierung des Behandlungsergebnisses
Das Behandlungsergebnis
Der frontal offene Biss konnte im Rahmen der Alignerbehandlung erfolgreich geschlossen werden.
Im Seitenzahnbereich muss sich der Biss noch etwas setteln, insgesamt zeigte sich jedoch bereits ein deutlich verbessertes funktionelles und kieferorthopädisches Ergebnis.
Zur Retention erhielt die Patientin neben den Retentionsschienen zusätzlich eine Zungengarage, die nachts getragen wird.
Sie unterstützt die physiologische Zungenruhelage am Gaumen und trägt dazu bei, die neuen funktionellen Bewegungsmuster weiter zu automatisieren.

Warum Retainer allein oft nicht ausreichen
Der Patientenfall verdeutlicht, dass selbst ein intakter Retainer ein Rezidiv nicht immer verhindern kann.
Retainer stabilisieren die Zahnstellung, beseitigen jedoch keine funktionellen Ursachen wie:
- Zungendysfunktion
- fehlender Lippenschluss
- falsche Zungenruhelage
- ungünstige Schluckmuster
Wirken diese Kräfte dauerhaft weiter auf die Zähne ein, können sie langfristig auch stabile kieferorthopädische Ergebnisse beeinflussen.
Deshalb sollte die Therapie frontal offener Bisse immer sowohl die Zahnstellung als auch die zugrunde liegenden funktionellen Ursachen berücksichtigen.
Form und Funktion gemeinsam behandeln
Eine langfristig stabile Behandlung entsteht durch das Zusammenspiel von Form und Funktion.
Während Aligner oder andere kieferorthopädische Apparaturen die Zahnstellung korrigieren, sorgen myofunktionelle Therapie und funktionelle Hilfsmittel dafür, dass sich physiologische Bewegungs- und Ruhemuster dauerhaft etablieren.
Erst wenn die Zunge ihre natürliche Position am Gaumen einnimmt und ein kompetenter Lippenschluss besteht, können Behandlungsergebnisse nachhaltig stabilisiert werden.
Fazit
Der vorgestellte Patientenfall zeigt eindrucksvoll, dass ein Rezidiv eines frontal offenen Bisses trotz intakter Retainer auftreten kann, wenn funktionelle Ursachen bestehen bleiben.
Die Kombination aus Alignertherapie, myofunktioneller Therapie und funktionellen Hilfsmitteln wie einer Zungenrampe oder Zungengarage ermöglicht es, nicht nur die Zahnstellung zu korrigieren, sondern auch die zugrunde liegenden Fehlfunktionen zu behandeln.
Langfristig stabile Ergebnisse entstehen dort, wo Form und Funktion gemeinsam berücksichtigt werden.
Quelle: Dr. Andrea Freudenberg, Expertin für mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie