Zungenruhelage und Oberkieferbreite – warum die Zunge das Wachstum des Oberkiefers maßgeblich beeinflusst
01. Juni 2026Die Zungenruhelage spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung und Stabilität des Oberkiefers. Liegt die Zunge physiologisch am Gaumen an, stabilisiert sie die Oberkieferbreite und trägt gleichzeitig zu einer verbesserten funktionellen Balance des gesamten Haltungsapparates bei.
Wie breit sich der Oberkiefer entwickelt, wird maßgeblich durch die Zunge bestimmt – genauer gesagt durch ihre Ruhelage und den dadurch entstehenden sanften Druck von innen gegen den Gaumen.
Die Zunge als entscheidender Wachstumsfaktor
Die Zunge wirkt im Ruhezustand kontinuierlich auf den Oberkiefer ein. Liegt sie flächig am Gaumen an, unterstützt sie die transversale Entwicklung des Oberkiefers und trägt dazu bei, die erreichte Breite langfristig zu stabilisieren.
Eine physiologische Zungenruhelage setzt dabei einen kompetenten Lippenschluss und eine stabile Nasenatmung voraus. Nur unter diesen Bedingungen kann die Zunge ihre Funktion als natürlicher Wachstumsstimulator des Oberkiefers erfüllen.

Welche Folgen hat eine tiefe Zungenruhelage?
Sinkt die Zunge dauerhaft nach unten, entfällt ihr stabilisierender Einfluss auf den Oberkiefer. Je tiefer die Zunge liegt, desto schmaler entwickelt sich in der Regel der Oberkiefer.
Ein schmaler Oberkiefer bedeutet gleichzeitig eine schmale Basis für Nase und Nasennebenhöhlen. Dadurch können funktionelle Zusammenhänge zwischen Zungenlage, Atmung und Kieferentwicklung entstehen.
Die tiefe Zungenruhelage geht häufig mit verschiedenen Zahn- und Kieferfehlstellungen einher.
Zusammenhang zwischen Zungenlage und Fehlstellungen
Durch die eingeschränkte transversale Entwicklung des Oberkiefers können infolge einer tiefen Zungenruhelage unterschiedliche Fehlstellungen entstehen.
Dazu zählen unter anderem:
- Kopfbiss
- einseitige Kreuzbisse
- beidseitige Kreuzbisse
- zirkuläre Kreuzbisse
Liegt zusätzlich eine Fehlfunktion der Zunge vor und lagert sich diese zwischen die Zahnreihen ein, können außerdem seitlich oder frontal offene Bisse entstehen.
Diese Veränderungen zeigen, wie eng die Zungenfunktion mit der Entwicklung des Kiefersystems verbunden ist.
Die Zungenruhelage in der myofunktionellen Therapie
Im Rahmen der myofunktionellen Therapie wird daher ein besonderer Fokus auf das Erlernen der physiologischen Zungenruhelage gelegt.
Ziel ist es, dass die Zunge im angesaugten Zustand flächig am Gaumen anliegt und bündig mit der Oberkieferzahnreihe abschließt. Dies bildet die Grundlage für eine stabile und funktionelle Zungenruhelage.
Sobald das Ansaugen erlernt wird, stellen viele Patientinnen und Patienten fest, dass die Zunge zunächst nicht vollständig flächig am Gaumen anliegen kann. Die Diskrepanz zwischen der angesaugten Zungenbreite und der vorhandenen Oberkieferbreite kann dabei unterschiedlich stark ausgeprägt sein und dient als wichtiger diagnostischer Hinweis.

Das Ansaugen der Zunge als erster Therapieschritt
Ist die Zunge in ihrer Ruhelage noch nicht flächig am Gaumen positioniert, muss das Ansaugen zunächst gemeinsam mit dem Patienten angebahnt werden.
Dieser Prozess kann eine Herausforderung darstellen und sollte durch gezielte Übungen schrittweise aufgebaut werden. Mit zunehmender Übung verbessert sich häufig die Wahrnehmung der Zungenposition sowie die Fähigkeit, die Zunge dauerhaft in ihrer physiologischen Lage zu halten.
Warum die Zungenruhelage so wichtig ist
Macht man sich bewusst, welchen Einfluss die Zungenruhelage auf das Breitenwachstum des Oberkiefers hat, wird deutlich, warum das Erlernen der physiologischen Zungenposition von zentraler Bedeutung ist.
Eine stabile Zungenruhelage unterstützt:
- die transversale Entwicklung des Oberkiefers
- die Stabilität der erreichten Oberkieferbreite
- die physiologische Nasenatmung
- die funktionelle Balance des Kiefer- und Gesichtssystems
Fazit
Die Zungenruhelage gehört zu den wichtigsten funktionellen Faktoren für die Entwicklung des Oberkiefers. Liegt die Zunge flächig am Gaumen an, kann sie das Breitenwachstum des Oberkiefers unterstützen und langfristig stabilisieren.
Eine tiefe Zungenruhelage hingegen kann die Entstehung verschiedener Zahn- und Kieferfehlstellungen begünstigen. Daher ist das frühzeitige Erkennen und Behandeln funktioneller Fehlmuster ein wichtiger Bestandteil präventiver und myofunktioneller Therapieansätze.
Quelle: Dr. Andrea Freudenberg, Expertin für mykie® - myofunktionelle Kieferorthopädie