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Professionelle Zahnreinigung: Hausputz für die Zähne

22. April 2021

Wenn Sonnenstrahlen die Wohnung durchfluten, beginnen viele mit dem Putzen. Was für Wohnung, Haus, Garten und Auto selbstverständlich ist, sollte auch für die Zähne gelten. Neben der täglichen Zahnpflege zu Hause ist eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt die Basis für langfristige Zahngesundheit. Denn auch bei gründlicher Zahnpflege lassen sich zu Hause nicht alle Zahnbeläge entfernen.

Warum ist eine professionelle Zahnreinigung sinnvoll?

Bakterielle Zahnbeläge sind die Hauptursache für Karies und Entzündungen des Zahnhalteapparats (Parodontitis). Die damit einhergehende chronische Entzündung ist nicht nur für die Zähne gefährlich. Parodontitis fördert auch die Entstehung schwerwiegender Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck und gilt damit als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Sogar das Sterberisiko ist erhöht.

Die Parodontitis beginnt oft mit einer durch mangelnde Mundhygiene hervorgerufenen Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis). Werden die Zahnbeläge nicht entfernt, können sich die Bakterien ungestört vermehren und setzen Mineralien frei, die die Bildung von Zahnstein (mineralisierte Plaque) fördern. Auch bestimmte Erkrankungen, eine genetische Veranlagung, hormonelle Umstellungen wie etwa eine Schwangerschaft, Rauchen, Stress und einseitige Ernährung, können das Entstehen einer Parodontitis begünstigen. Unbehandelt kann Parodontitis zu Zahnverlust führen – schlimmstenfalls aber auch zum Herzinfarkt.

Gesunde Mundhöhle beugt Infektionen vor

Als "Tor zu unserem Körper" spielt die Mundhöhle mit dem speziellen Mundmikrobiom eine wichtige Rolle beim Schutz vor Krankheiten, Entzündungen und Infektionen. Ein intaktes Immunsystem und ein entzündungsfreies Zahnfleisch haben eine zentrale Funktion bei der Immunabwehr. Daher kann eine gesunde Mundhöhle auch als Barriere gegen COVID-19 betrachtet werden. Umgekehrt zeigte sich, dass Menschen mit Parodontitis ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf und eine Intensivbehandlung haben.

Professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt

Um die Zahnbeläge (Plaque), die sowohl für Karies als auch für Parodontitis verantwortlich sind, zu entfernen, ist eine gründliche Zahnhygiene unabdingbar. 

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Es gibt aber auch Beläge, die schwer zugänglich sind und die man auch mit der besten Putztechnik nicht erwischt. Deshalb ist eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt eine wichtige ergänzende Maßnahme zur Prophylaxe von Karies und Parodontitis.

Zahnstein und sämtliche anderen weichen und harten Ablagerungen auf den Zähnen werden bei der der PZR entfernt – auch ein Stück weit unterhalb des Zahnfleischrands. Auf der geglätteten Oberfläche bleiben Bakterien anschließend nicht mehr so leicht haften. Bei regelmäßiger Durchführung kann eine professionelle Zahnreinigung nicht nur Karies und Zahnfleischentzündungen vorbeugen, sondern oft auch eine Parodontitis im Frühstadium ihrer Entstehung aufhalten.

 

Was gehört zu einer professionellen Zahnreinigung?

  • So wie die Sonne den Staub im Hause sichtbar werden lässt, färbt bei der professionellen Zahnreinigung die ausgebildete Prophylaxeassistentin oder Dentalhygienikerin die bakteriellen Zahnbeläge an, um dem Patienten Schwachstellen aufzeigen und wertvolle Tipps zur häuslichen Zahnpflege geben zu können.
  • Die professionelle Zahnreinigung beginnt mit der gründlichen Entfernung des Zahnsteins durch Ultraschallgeräte oder manuelle Instrumente wie Scaler oder Küretten.
  • Dunkle, harte Ablagerungen unterhalb des Zahnfleischrands auf der Oberfläche der Zahnwurzel, sogenannte Konkremente, werden mit speziell geformten löffelartigen Küretten manuell entfernt.
  • Mit einem Pulverstrahl-Gerät (Airflow) werden alle verbleibenden Zahnbeläge und Verfärbungen sorgfältig entfernt. Das Reinigungspulver gibt es in unterschiedlicher Stärke. Das geeignete Pulver wird von Prophylaxeassistentin oder Dentalhygienikerin individuell ausgewählt. In Abhängigkeit vom ausgewählten Pulver kann auf eine abschließende Politur verzichtet werden.
  • Die Zahnzwischenräume werden mit Zahnseide oder dünnen Polierstreifen gereinigt. Zum Abschluss wird ein Fluoridpräparat zur Kariesvorbeugung auf die Zahnoberflächen und ein Gel zur Bakterienreduktion am Zahnfleischrand aufgetragen (aktuelle Fluorid-Richtlinien).

 

Ob Klein oder Gross: Mit einem Frischekick und wunderbar glatten und sauberen Zahnoberflächen sind Sie optimal für die häusliche Zahnpflege vorbereitet!

 

 

Professionelle Zahnreinigung und Zahnspange

Während einer kieferorthopädischen Behandlung ist das Risiko für Karies generell erhöht und eine besonders gründliche Zahnpflege deshalb Pflicht. Aber auch die professionelle Zahnreinigung sollte man in dieser Zeit keinesfalls vernachlässigen. Im Gegenteil: Oft sind sogar kürzere Abstände empfehlenswert – am besten beim Kieferorthopäden. Er kann vor der PZR alles entfernen, was bei der gründlichen Reinigung stört, etwa Drähte, Bögen oder Gummis. So werden auch kleinste Zwischenräume optimal erreicht. Nach der Zahnreinigung kann einer neuer Bogen eingesetzt und die Zahnspange neu eingestellt werden. 

 

5 Tipps zur Vorbeugung von Parodontitis

  1. Putzen Sie mindestens zweimal am Tag die Zähne im Abstand von 30 Minuten nach der letzten Mahlzeit, um den Zahnschmelz nicht anzugreifen.
  2. Reinigen Sie gründlich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide und Interdentalbürstchen. Geben Sie Bakterien keine Chance, sich in diesen Nischen anzusammeln.
  3. Vergessen Sie Ihre Zunge nicht und benutzen Sie regelmäßig einen Zungenreiniger, um Ablagerungen auf der Zunge zu entfernen.
  4. Benutzen Sie unterstützend Mundspüllösung mit Fluorid - und nach ärztlicher Absprache diese auch mit mikrobiellen Wirkstoffen. Das ist nicht nur gut für die Mundgesundheit. Möglicherweise können Sie damit auch dazu beitragen, eine COVID-19-Infektion in einem sehr frühen Stadium an der Ausbreitung zu hindern.
  5. Vereinbaren Sie regelmäßige Termine zur professionellen Zahnreinigung. Ihr persönliches Recall-Intervall bestimmt der Zahnarzt oder Fachzahnarzt anhand einer individuellen Risikoeinschätzung.

 

Quellen:

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  • Chang, Y., Lee, J.S., Lee, KJ. et al.Improved oral hygiene is associated with decreased risk of new-onset diabetes: a nationwide population-based cohort study. Diabetologia 63, 924–933 (2020)
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  • Das Gesundheitsportal medondo.health