Zahnschäden durch Säure? Die besten Tipps für den Schutz im Alltag
13. Januar 2026Sie greifen die Zähne unbemerkt an und schwächen den Zahnschmelz: Säuren. Doch mit etwas Hintergrundwissen und gesunden Gewohnheiten lassen sich Säureschäden oft deutlich reduzieren und die natürliche Zahnsubstanz langfristig besser bewahren.
Säuren gehören ganz selbstverständlich zum Alltag: Sie stecken in vielen Lebensmitteln und Getränken, sind Teil der Verdauung und spielen auch bei Refluxerkrankungen, bei denen Magensäure immer wieder in Richtung Rachen aufsteigt, eine Rolle. Weniger bekannt ist, dass häufige oder langanhaltende Säureeinwirkung zu Zahnschäden, sogenannten Zahnerosionen, führen kann. Wer die eigenen Ess und Trinkgewohnheiten kennt und auf eine zahnschonende Mundpflege achtet, kann den Zahnschmelz wirksam unterstützen und das Risiko für Säureschäden deutlich verringern.
Zahnerosion ist nicht Karies
Zahnerosion ist nicht dasselbe wie Karies, auch wenn die Veränderungen an den Zähnen auf den ersten Blick ähnlich wirken können. In beiden Fällen verändern sich die Zahnoberflächen, Zähne werden empfindlicher und sehen angegriffen aus. Die Ursachen unterscheiden sich jedoch deutlich: Karies entsteht durch Bakterien, die Zucker aus der Nahrung in Säuren umwandeln. Diese greifen den Schmelz an, es entstehen mit der Zeit Löcher. Zahnerosion (Säureschaden) wird dagegen vor allem durch direkten Säurekontakt ausgelöst – etwa durch Getränke, Speisen oder Magensäure. Bakterien spielen hier eine deutlich geringere Rolle.
Erste Anzeichen von Säureschäden am Zahnschmelz zeigen sich meist schleichend. Häufig wirkt die Zahnoberfläche zunächst glatter und matter, fast wie „poliert“. Schneide- und Kaukanten können abgerundet erscheinen, als wären sie leicht abgeschliffen. Im weiteren Verlauf fällt oft eine zunehmende Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Wärme oder süßen Speisen und Getränken auf. Mitunter wirkt der Zahnrand an den Schneidezähnen durchscheinender, oder die Zähne erscheinen insgesamt gelblicher, weil das darunter liegende Dentin stärker sichtbar wird. Solche Veränderungen gelten als Warnhinweise und sollten Anlass sein, die Situation in einer zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Praxis überprüfen zu lassen.
Wie Säuren die Zähne angreifen
Der Zahnschmelz ist eine harte, hochmineralisierte Schicht. Gelangt Säure an die Zahnoberfläche, sinkt der pH-Wert im Mund. Unter einem bestimmten Wert beginnen Mineralien aus dem Zahnschmelz herausgelöst zu werden – dieser Vorgang wird als Säureangriff oder Demineralisation bezeichnet. Dem wirkt der Körper mit einem natürlichen Schutzmechanismus entgegen: Speichel neutralisiert Säure und liefert Mineralstoffe zurück an den Zahn. So kann der Zahnschmelz sich bis zu einem gewissen Grad wieder stabilisieren. Wird jedoch sehr häufig zu sauren Getränken gegriffen, oder regelmäßig Erbrechen beziehungsweise starker Reflux erlebt, bleibt dem Speichel kaum Zeit, das Gleichgewicht wieder herzustellen. In solchen Situationen herrscht im Mund immer wieder ein saures Milieu vor, ohne dass der natürliche Ausgleich vollständig stattfinden kann. Die Folge ist ein schleichender Abbau des Schmelzes, eine typische Zahnschmelz-Erosion.
Säurequellen im Alltag: Ernährung und Getränke
Im Alltag gehören vor allem bestimmte Getränke und Lebensmittel zu den häufigsten Ursachen für Zahnschäden durch Säure. Besonders Softdrinks, Energy-Drinks und Limonaden spielen hier eine Rolle. Sie enthalten meist eine Mischung aus Kohlensäure, Zitronensäure oder anderen Fruchtsäuren und häufig zusätzlich Zucker oder Süßstoffe. Kritisch wird es vor allem, wenn solche Getränke über längere Zeit in kleinen Schlucken konsumiert werden, etwa aus To-go-Bechern oder ständig mitgeführten Flaschen. In dieser Situation ist der Zahn immer wieder einem sauren Milieu ausgesetzt, ohne ausreichend Erholungsphasen zu erhalten.
Auch scheinbar „gesunde“ Getränke wie Orangensaft am Morgen, Apfelsaftschorle oder Beeren-Smoothies können zur Zahnerosion beitragen. Sie enthalten von Natur aus organische Säuren, die den Zahnschmelz angreifen können. Ähnliches gilt für viele Sport- und isotonische Getränke, die oft leicht sauer sind und während längerer Trainingsphasen immer wieder in kleinen Schlucken aufgenommen werden. Dadurch verlängert sich die Einwirkzeit der Säure erheblich. Neben Getränken können auch Salatdressings mit Essig oder saure Früchte wie Zitrusfrüchte und Beeren den Zahnschmelz reizen. Problematisch wird dies vor allem, wenn direkt im Anschluss kräftig gereinigt wird. In dieser Phase ist der Zahnschmelz durch den vorangegangenen Säurekontakt vorübergehend erweicht und somit besonders anfällig für zusätzlichen Abrieb.
Säureschäden von „innen“
Säure kann jedoch nicht nur von außen, sondern auch von innen zu Schäden am Zahn führen: Bei Refluxerkrankungen gelangt Magensäure wiederholt in die Speiseröhre und teilweise bis in den Mundraum. Diese sehr starke Säure kann insbesondere die Innenflächen der Zähne deutlich abtragen. Häufiges Sodbrennen, saures Aufstoßen oder Hustenreiz nach dem Essen gelten als mögliche Hinweise auf ein solches Geschehen. Wiederholtes Erbrechen, etwa im Rahmen von Essstörungen oder chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, bringt ebenfalls große Mengen Magensäure mit den Zähnen in Kontakt und stellt damit ein erhebliches Risiko für Zahnerosion dar.
Hinzu kommt, dass einige Medikamente zu Mundtrockenheit führen können. Wenn weniger Speichel zur Verfügung steht, ist der natürliche Schutz vor Säureangriffen eingeschränkt. In diesen Fällen können schon vergleichsweise geringe Säuremengen problematischer werden. In vielen dieser Situationen ist es sinnvoll, Zahngesundheit und Grunderkrankung gemeinsam im Blick zu behalten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin, Hausarzt oder weiteren Fachrichtungen unterstützt dabei, Ursachen zu erkennen und wirksame Schutzmaßnahmen für den Zahnschmelz zu entwickeln. Unterstützend wirken eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr über den Tag verteilt, zuckerfreie Kaugummis zur Anregung des Speichelflusses sowie bei Bedarf spezielle Speichelersatzmittel oder Gele nach fachlicher Empfehlung.
Kann sich der Schmelz nach Säureschäden regenerieren?
Zahnschmelz gehört zwar zu den härtesten Substanzen im menschlichen Körper, besitzt jedoch keine Fähigkeit zur eigenen Reparatur, wenn erst einmal Substanz verloren gegangen ist. Abgebauter Zahnschmelz wächst nicht nach. Die noch vorhandene Schmelzschicht kann jedoch durch Speichel und Fluorid teilweise wieder remineralisiert werden. Dabei lagern sich Mineralien in bereits angegriffene Bereiche ein und machen sie widerstandsfähiger gegen zukünftige Säureangriffe. Dieser Prozess kann bestehende Substanzverluste zwar nicht rückgängig machen, aber das Fortschreiten von Erosionen verlangsamen. Bei stärkeren Schäden kommen zusätzlich zahnärztliche Maßnahmen wie Schutzlacke, Versiegelungen oder Füllungen zum Einsatz, um die Zähne langfristig zu stabilisieren.
Für die Vorbeugung bedeutet dies: Gute Mundhygiene ist unverzichtbar, reicht allein jedoch nicht immer aus. Neben gründlichem Zähneputzen und der Kontrolle von Kariesbakterien spielt auch der bewusste Umgang mit säurehaltigen Lebensmitteln, Getränken und inneren Säurequellen eine wichtige Rolle dafür, wie lange Zähne gesund und belastbar bleiben.
Schutz im Alltag: Ess-, Trink- und Putzgewohnheiten
Mit einigen einfachen Strategien im Alltag lässt sich das Risiko für Zahnerosion durch Säure deutlich senken. Entscheidend ist, den Kontakt mit Säuren zu begrenzen und dem Speichel genug Zeit zur Erholung zu geben. Sinnvolle Maßnahmen sind unter anderem:
- Säurekontakt zeitlich begrenzen: Getränke wie Saft oder Softdrink besser in kurzer Zeit austrinken, statt über Stunden immer wieder kleine Schlucke zu nehmen
- Wasser als Hauptgetränk wählen: Leitungswasser, stilles oder leicht sprudelndes Mineralwasser und ungesüßte Tees gelten als zahnfreundliche Durstlöscher und helfen, Säurereste zu verdünnen.
- Strohhalm nutzen: Ein Strohhalm, der möglichst weit hinten im Mund platziert wird, kann den direkten Kontakt säurehaltiger Getränke mit den Frontzähnen verringern.
- Nach Säure den Mund spülen: Nach Orangensaft, Limonade oder Essig-haltigen Speisen kann klares Wasser oder eine geeignete, möglichst fluoridhaltige Mundspüllösung helfen, die Säure zu verdünnen.
- Zum richtigen Zeitpunkt reinigen: Direkt nach stark sauren Speisen oder Getränken ist der Zahnschmelz kurzzeitig weicher und empfindlicher. Kräftiges Schrubben mit einer harten Bürste oder stark abrasiver Zahnpasta kann dann zusätzlichen Substanzverlust fördern. Empfehlenswert ist es, nach dem Säurekontakt etwa 30 Minuten mit dem Putzen zu warten, in dieser Zeit den Mund zu spülen und anschließend mit einer weichen Zahnbürste sowie einer milden, fluoridhaltigen Zahnpasta zu reinigen. Auf diese Weise werden Kariesbakterien minimiert, ohne den bereits gereizten Zahnschmelz unnötig zu belasten.
- Fluorid zur Remineralisation nutzen: Fluorid unterstützt die Remineralisation des Schmelzes und macht ihn widerstandsfähiger gegen Säureangriffe. Geeignete Optionen sind zum Beispiel fluoridhaltige Zahnpasten, Mundspüllösungen und in der Zahnarztpraxis aufgetragene Fluoridlacke oder Gele.
Fazit
Zahnschäden durch Säure lassen sich in vielen Fällen wirksam begrenzen. Ein bewusster Umgang mit säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken, die Stärkung des Zahnschmelzes durch Fluorid und die Beachtung innerer Risikofaktoren bilden zusammen einen starken Schutz. Bei Anzeichen wie zunehmender Empfindlichkeit, glatten matten Zahnoberflächen, abgerundeten Kanten oder sichtbaren Veränderungen lohnt sich eine fachliche Abklärung in einer zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Praxis.
Quellen:
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